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EXPANSION DER NÖRDLICHE ABTEILUNG UND ERSTE EINRICHTUNGEN  
Pater Cyrillus Reinheimer ist die prägende Gestalt der nördlichen Abteilung seit 1893. Unter seiner Leitung reifte die  Idee, selbst die Erziehung zu übernehmen; 1894 wurde das SLW in einen „Erziehungsverein“ umgewandelt mit der Grundidee, „besonders durch Heranziehung von Pflegefamilien den Kinder die natürliche Elternliebe und Elternsorge in bestmöglicher Weise zu ersetzten“. Als „Aufnahmehaus für die künftigen Familienpfleglinge“ wurde schließlich im Jahre 1908 auch in Arenberg, heute ein benachbarter Stadtteil von Koblenz-Ehrenbreitstein, ein geeignetes Gelände für ein eigenes Kinderheim mit Kapelle gefunden und bebaut. Es erhielt den Namen „St.-Antonius-Haus“ und ist heute Hauptgebäude der Kinder- und Jugendhilfe Arenberg.
 
Das Antoniushaus beherbergte schnell bis zu 150 Kinder, betreut u.a. von fachlich ausgebildeten Schulschwestern des heiligen Franziskus von Erlenbad/Baden.
 
Trotz Erweiterungen muss 1912 ein weiteres, angrenzendes Haus als Säuglings- und Kinderheim erworben und eingerichtet werden, das Josefshaus, welches fortan Kindern von 1-6 Jahren sowie schulpflichtigen Knaben“ als Heim dienen sollte.
 
Eine nicht geringe Sorge bereiteten dem ab 1920 zum Direktor ernannten Pater Ladislaus  Lohoff, dessen Amtszeit 1924 für drei Jahre von Pater Julius Ballweg übernommen wurde,  die Unterbringung schulentlassener Jugendlicher, die –wie seinerzeit häufig- keinen Platz bei ihren Meistern erhielten.
 
1930 konnte ein ehem. Offizierswohnhaus in Ehrenbreitstein, direkt neben dem damaligen Kapuzinerkloster erworben werden, das Lehrlingsheim Konradhaus.
 
Die Zahl der zu betreuenden Kinder stieg Anfang der 1930er Jahre auf rd. 1000 pro Jahr! Wiederum gelang es den Verantwortlichen, Wohltäter davon zu überzeugen, dem wachsenden Bedarf ein erweitertes Angebot zu ermöglichen: Im hessischen Bensheim wurde die ehemalige, um 1883 als Landhaus und Jagdschloss erbaute Villa Amalienhof mit großem Grundstück 1932 dem SLW als Schenkung angeboten, die als Kindererholungsheim dienen sollte. Das in Katharinenstift umbenannte Haus bot Platz für 40 Kinder, die auf Grund ihres schwächlichen und schlechten Gesundheitszustandes in die Obhut von Drittordensschwestern gegeben wurden.
 
Ziel der beiden Heime in Arenberg und Bensheim war weiterhin, neben Beheimatung und Erziehung aller Kinder und Jugendlichen, die Kinder ohne leibliche Eltern in „gute und christliche Familien“ zu vermitteln; manche wurden adoptiert.
Noch heute können Menschen diesen Teil ihrer Lebensgeschichte im Archiv des SLW nachverfolgen, denn die Vermittlung und Verwaltung von Pflege- und Adoptionsverhältnissen waren seinerzeit noch nicht staatlich organisiert und dem SLW bis in die 1970er Jahre übertragen.